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Itchino`s Star-Kolumne
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02.11.2010

Es könnte alles so einfach sein

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Im Grunde sind Itchy und ich zwei pflegeleichte Bürschchen. Wir geben immer alles und erwarten dafür nicht mehr als vereinbart. Das funktioniert als universeller Leitsatz, gilt aber besonders auch für unseren Anspruch an gutes Essen: Es müssen nicht ausgefallene, kostbarste Zutaten zum Einsatz kommen und auf blendende Showeffekte legen wir keinen Wert. Einzig Qualität und Frische müssen stimmen, dann kann man sich gerade an einfachsten Gerichten erfreuen und im wahrsten Sinne satt essen. Bestes Beispiel: Ein ehrliches Stück Brot mit frischer Butter und simplem (dafür gutem) Salz. Fertig!

Wenn man aber in ein Restaurant geht, das uns laut Selbstverständnis auf der Webseite "in eine Welt der kulinarischen Genüsse verführen" möchte während "das Serviceteam für das Wohlbefinden garantiert" ist das eine Ansage. Folglich dürfen die Erwartungen gar nicht hoch genug sein! Wir befinden uns in Wien und der Gastrotempel, der uns wärmstens empfohlen wurde heißt Artner am Franziskanerplatz. Hungrig sind wir von einem arbeitsreichen Tag und die Freude auf die bevorstehenden Leckereien ist entsprechend groß.

Was jedoch folgt ist eine Bruchlandung in mehreren Anläufen! Eigentlich kann man bei der Übellaunigkeit des "Serviceteams" froh sein, dass sie wenigstens so einsilbig sind. Andererseits hätte ein kurzes Gespräch über das Menü, das sich zugegebenermaßen hervorragend liest,  schnell klargemacht, dass die Hälfte der Sachen, die da stehen gar nicht mehr vorrätig sind. So allerdings bestellten wir nichts ahnend die Speisenfolge. Heimlich und ohne Ankündigung wurde darauf der Zander zum Wels gemacht, aus der Fenchelinfusion eine Currysuppe und auf Nachfrage erfahren wir, was denn da den speziellen Geschmack ausmacht: "Gewürze!" Alles klar? Man kann es ja mal versuchen.

Eigentlich hätte man spätestens an diesem Punkt aufstehen und gehen müssen, denn das Essen dort war schließlich alles andere als geschenkt und die Laune schon arg beeinträchtigt. Die Hauptgänge konnten auch nichts mehr retten, sondern haben das Niveau eher noch getunnelt. Zähe Entenbrust, verkochtes Pak Choi, versalzen. Soja nu nich! Frustriert von der Gastro-Flaute zogen wir durch Wien und machten Halt an dem einen oder anderen Tresen. Während ich mich in der zweiten Bar sofort in das elfenhafte Wesen hinter der Theke schockverguckt habe, hat Itchy am anderen Ende eine Kollegin vom ORF getroffen, die er schon den Tag über mit Charmeoffensiven bedacht hatte.

Ich bestellte mir einen Old Fashioned bei der Schönen und nahm meinen Mut zusammen. Ich stellte mich also vor und fragte nach ihrem Namen. Leider könne ich ihr keinen Drink ausgeben, sie müsse morgen früh raus und "den Kleinen" in den Kindergarten bringen. DOWNER! "Ginger Ale?" versuche ich zu improvisieren und charmant zu bleiben. Sie lächelte nur und erzählte mir von ihrem Freund. WATERLOO!

Auf dem Weg zum Klo kam mir Itchy entgegen und ich fragte ihn, ob wenigstens er mehr Glück hatte. Wie sich nach heftigem Baggereinsatz seinerseits herausstellte, war seine Zielperson glücklich verheiratet. Wir verfluchten unser Pech und sinnierten darüber, wie viel Zeit und Schmach man sparen könnte, wenn man Flirtbereitschaft und Flirterfolgsaussicht schon auf dem Menü lesen könnte! Beziehungsstatus sichtbar machen im echten Leben! Das wäre doch mal ne Idee. Bei Facebook schreibt Ihr das doch auch alle…



WIEN TIPPS:


Essen?
Lieber hier: www.novelli.at bloß nicht hier: www.artner.co.at

Trinken? Gerne hier: www.lutz-bar.at oder www.loosbar.at oder www.doco.com

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